"Hier stehen wir, wir können auch anders"

 

Reformationsgottesdienst 2283Nichts hätte besser sein können, gar nichts. Es war ein Gottesdienst, der begreifen ließ, was Reformation bedeutete, zeigte, wie Christen in verschiedenen Kirchen heute gemeinsam leben können, und der zu allem Überfluss noch Spaß machte. Was konnte man sich mehr wünschen?

Pfr. Dr. Brinkmann und Kreisdechant Schilling konnten viele hundert Menschen begrüßen, die sich bei wunderbarem Wetter gegen elf auf dem Ratinger Markplatz eingefunden hatten, „eingeladen zum Fest des Glaubens“ , entsprechend dem ersten Lied.

Reformationsgottesdienst 2235Und dann standen da zwei junge Frauen, 21 und 22 Jahre alt (das verrieten sie): Christina Wasse und Carolin Zündorf. Sie begannen, sich ebenso freundlich wie eindeutig und klar, alles vorzuwerfen was katholische Christen gegen evangelische Christen und evangelische Christen gegen katholischer Christen sagen können – dass die einen die größere Kirche haben und damit angeben, die andern die schönere, dass die evangelischen Jugendlichen sich nur der Geschenke wegen konfirmieren ließen, dass Luther ein Antisemit gewesen sei, dass niemand drei Gottesdienste an einem Tag aushalten könne, wenn man nicht stoned sei, am Abend vorher gründlich gefeiert und die Nacht mit einem Freund verbracht hatte – was die Katholiken ja nun mal nicht erlaubt sei – und ihn zur Kirche mitnähme... Schließlich einigten sie sich darauf, dass Papst Franziskus ein ganz cooler Typ sei – aber Martin Luther ebenso.

 

Reformationsgottesdienst 2267Lied und Gebet, Evangelium folgten – und dann erneut ein Dialog; jetzt von Pfr. Dr. Brinkmann und Pastor Schilling. Es ging um den Ansatz des reformatorischen Denkens – dass er Himmel nicht für Geld erkauft werden kann, sondern Geschenk Gottes ist – und um die Weise des Zusammenlebens der Kirchen heute: beide Kirchen sind wichtig, ihre Mitglieder glauben an denselben einen Gott – und am Ende gaben sich beide die Hand.

Es blieb nicht bei diesem Handschlag. Denn da standen zwei Kirchtürme, vielleicht 2,50 m hoch; Konfirmanden hatten sie aus Pappmaché gebaut der Kirchturm von St. Peter und Paul, und der Kirchturm der ev. Stadtkirche. Und dann begannen die Kirchtürme zu wandern, durch die Reihen der Gottesdienstbesucher hindurch, bis sie sich am Ende vor der Altarbühne wiedertrafen und die Hände reichten.

„Hier stehen wir, wir können auch anders...“ Am Ende ergriffen Christina Wasse und Carolin Zündorf noch einmal die Mikrofone. Ja, es geht auch anders – und sie tauschten die Sweatshirts: das „evangelische“ Sweatshirt eines „Engel im Einsatz“ hatte jetzt eine katholische Besitzerin, und ein evangelisches Mädchen trug jetzt das „katholische“ Sweatshirt des Jugendleitungsteams.

Geht doch.

Und es geht noch viel mehr – wenn wir es wollen.

Und es ginge noch viel mehr, ganz viel mehr, wenn andere es wollten. | Josef Pietron

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Ein paar O-Töne im Rahmen eines kurzen Berichtes gab es im Domradio - hier können Sie ihn nachhören.

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