Hungertuch 2019 in unserer Pfarrkirche

Hungertuch 2019 von Milko PavlovDie Tradition der Verhüllung in der österlichen Bußzeit unterstreicht den Gedanken des Fastens mit den Augen und Ohren, der die reduzierte Liturgie der vierzig Tage der Vorbereitung auf Ostern prägt. Verhüllte Statuen und Altarbilder rufen uns das Bilderverbot des Ersten Testaments ins Bewusstsein: „Du sollst dir kein Bildnis machen!“ (Exodus 20,4)
Die zurückgenommene Bildlichkeit erinnert an die Bestreitungen der „Negativen Theologie“, wie wir sie auch in der mittelalterlichen Mystik finden: Der verborgene Gott entzieht sich allen Versuchen des Abbildens.

Das Bild des aus Bulgarien stammenden Künstlers Milko Pavlov arbeitet mit der Reduktion: Graphit auf Wachs ohne jede Farbreize. Schemenhaft ist ein Antlitz auszumachen - oder sind es mehrere?
Im wechselnden Lichteinfall des Tageslichts durch die Chorraum-Fenster lässt sich immer Neues entdecken oder nur erahnen, das jedoch wieder verschwindet. Eindeutigkeit ist nicht zu haben in diesem Bild. Es lädt dazu ein, den Blick meditierend kreisen zu lassen. Es fordert dazu auf, die eigene Position zu verändern, um Neues im Vertrauten zu erblicken.

Damit weckt das Hungertuch eine Betrachtungsweise wie wir sie aus der ostkirchlichen Tradition - der Heimat des Künstlers - kennen: Ikonen sind im Modus des MYSTERIUMS zu schauen. Es ist ein dynamisches Sehen und Loslassen, geisterfüllte Begegnung im Gegensatz zur Tradition des Westens, die das sacramentum als Gegenwart des Heils und in sich ruhende Größe betont – wie in der ebenfalls verhüllten Ratinger Monstranz.

Das Bild von Milko Pavlov irritiert den gewohnten Blick auf den Hochaltar. Es regt mit dieser Unterbrechung dazu an, dem GEHEIMNIS Raum zu geben als der Art und Weise, wie wir glauben: der Worte und Begriffe bedürftig, doch über sie hinaus verwiesen ins UNSAGBARE.

Text + Foto: Ansgar Wallenhorst

Hinweis

Für Veröffentlichungen in den Pfarrnachrichten, auf dieser Internetseite und in der Presse ist der Sachausschuss für Kommunikation zuständig - erreichbar unter:
oeffentlichkeitsarbeit@st-peterundpaul.de

Termine in der Pfarrei