Weihnachtsgruß von Pastor Schilling

altLiebe Schwestern und Brüder,

zum ersten Mal darf ich zusammen mit Ihnen in unserer Pfarrei Peter und Paul das Weihnachtsfest feiern. Seit Mitte März bin ich nun bei Ihnen als Pastor tätig, und so möchte ich mit meinem Weihnachtsbrief ein wenig innere Rückschau auf meine ersten Monate in unserer Pfarrei halten.

Als ich im letzten Jahr erfuhr, dass ich der neue Pastor von Peter und Paul sein werde, überkam mich Freude, Dankbarkeit und auch ein wenig Angst. Werde ich den vielen unterschiedlichen Menschen in ihren verschiedensten Lebenssituationen gerecht werden? Werde ich genügend Kraft haben, um auf der einen Seite viel zu geben und auf der anderen Seite das Ein oder Andere einstecken zu können? Nicht selten hatte ich in den letzten Monaten den Eindruck, dieser Anforderung nicht gerecht zu werden. Manches blieb liegen, nicht alles konnte getan werden. Hier und da habe ich vielleicht schon den Ein oder Anderen enttäuscht, was mir leid tut, und manchmal vielleicht dennoch auch wichtig ist. Anderes wiederum ist mir dann vielleicht doch auch gelungen.

Doch warum habe ich „Ja“ zu dieser Aufgabe gesagt? Weil mir klar war, dass ich weder alleine, noch als perfekte Person nach Ratingen kommen werde. In meiner Jugend spürte ich immer mehr, dass die Welt ohne Gott nicht aufgeht, dass mein Leben ohne ihn keinen Sinn macht, dass ich mich ohne seinen Zuspruch selber nicht annehmen konnte, vielmehr noch, dass er an mich glaubt. Deshalb wollte ich Priester und Seelsorger werden. Diese Erfahrungen wollte ich mit anderen teilen, diese Hoffnung als Suchender und Hörender in das Leben der Menschen hineinsprechen. Das ist immer noch und immer mehr meine Triebfeder.

 

Zusammen mit IHM ging ich nach Ratingen, letztlich im Wissen, dass ER schon lange hier war. Kontinuierlich darf ich die Erfahrung machen, dass Gott zugleich mitgeht und bleibt, zugegen, quasi geistesgegenwärtig ist. Treu, mitleidend, aber eben auch bestärkend, und in großer gemeinsamer Freude durfte ich IHN an meiner Seite fühlen. In vielen Menschen spürte ich, wie ER mir entgegen kam. Ja, Gott ist sehr entgegenkommend. Und genau das feiern wir an Weihnachten. Sein Entgegenkommen, sein Dasein, seine Geduld, sein unfassbar liebendes Wesen, das einen jeden von uns ergreifen und in den Tiefen unserer Seele heilen will. Gott ist unendlich gut.

Das ist keine Theorie, keine bloße Hoffnung, keine unbewiesene These. Das ist die Erfahrung meines Lebens. Auch hier in Ratingen durfte ich das bereits an so vielen Stellen erleben. So viele, die ich da sehe, wie sie suchen, fallen, neu aufstehen, an IHM Maß nehmen, sich und andere im Herrn festmachen.

Bei allem, was schwer war in den letzten Monaten, bei den vielen Fragen, die ich mir stellte und den wenigen Antworten, die ich fand, spürte ich dennoch in Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, Gott lebendig in unserer Mitte. Das ist für mich Weihnachten und nicht nur an den Tagen zwischen dem 24. und 26.12., sondern das ganze Jahr hindurch.

Ein Stückchen des Weges sind wir schon zusammen gegangen, und dafür danke ich Ihnen von Herzen. So viel durfte ich bei Ihnen schon erleben, lernen und mitfeiern.

So wünsche ich Ihnen, egal in welcher Situation Sie gerade stehen, das Bewusstsein, dass ER da ist. Das ist Weihnachten: Wir feiern SEINE Gegenwart in unserer Mitte. Wie schön, dass wir so zum ersten Mal zusammen Weihnachten feiern. Sehr gerne bin ich bei Ihnen als Pastor tätig.

Die Miniatur in einem Medaillon von Hildegard Domizlaff, das sie oben sehen, gehört zu meinen wertvollsten Besitztümern. In Schiefer geschnitzt, in Silber gegossen und dann vergoldet, wurde es von der Künstlerin in ein Elfenbeinamulett eingelassen.

Auf die Mitte der Dinge kommt es an. Zentral ist das Kind dargestellt, und von diesem Kind geht alles aus. Es strahlt über Maria, Josef und den Stern aus in unsere Welt. Was damals in Bethlehem geschah, will auch ausstrahlen in unserer Leben. Vielleicht strahlen dann auch wir etwas aus von dieser Botschaft der Liebe und der Zusage, dass Gott wirklich in unserer Mitte ist.

Im Namen meiner Mitbrüder, unseres Gemeindereferenten Thomas Golbach und aller hauptamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wünsche ich Ihnen und Ihren Lieben ein gesegnetes Weihnachtsfest. Feiern Sie voll Freude dieses Fest! Und selbst wenn in Ihren Augen zurzeit eher Tränen des Schmerzes und der Trauer zu finden sind, als Tränen der Freude, dieser Gott weint und lacht mit, doch letztlich werden wir mit ihm zusammen lächeln. Davon bin ich überzeugt.

In dieser Hoffnung und Glaubensgewissheit gehe ich mit Ihnen ins Jahr 2015, das auch ein anno domini, ein Jahr des Herrn sein wird.

Ihnen und Ihren Lieben Gottes heilenden Segen

Ihr Pastor Daniel Schilling

Bild oben: Medaillion von Hildegard Domizlaff 1898-1987, Krippe 1975; Privatbesitz Pfr. Schilling

Wollen Sie den Weihnachtsgruß ausdrucken? Hier gelangen Sie zu einer PDF-Datei.


Hinweis

Für Veröffentlichungen in den Pfarrnachrichten, auf dieser Internetseite und in der Presse ist der Sachausschuss für Kommunikation zuständig - erreichbar unter:
oeffentlichkeitsarbeit@st-peterundpaul.de

Termine in der Pfarrei