"Ihr seid gesandt!" - Die Kirche und ihre Dienste

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„Du bist als Menschenkind geboren in diese eine Welt,
du bist als Gotteskind geborgen an deinen Platz gestellt.
Du bist gesalbt mit Christus zum König, Priester und Prophet.
Geh deinen Weg ins Leben!“

Dies Lied, vorgetragen vom Singkreis „Aufwind“, eröffnete den vorletzten Abend der Reihe „Gottvoll & Erlebnisstark“. Der Text greift Worte aus der Taufliturgie auf: bei der Salbung mit Chrisam, dem heiligen Öl, heißt es: „Du wirst mit dem heiligen Chrisam gesalbt, denn du bist Glied des Volkes Gottes und gehörst für immer Christus an, der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten in Ewigkeit“: Als jemand, der zu Christus gehört, ist jeder Christ Priester, König und Prophet.

„König“ - das meint das Recht, aufrecht zu stehen und Verantwortung zu tragen. „Priester“ heißt: im Namen Jesu handeln, zuhören, trösten, streicheln und helfen. Und zum "Propheten" bedarf es keiner hellseherischen Fähigkeiten für die Zukunft, sondern es erfordert die Gabe und die Bereitschaft, die Zeichen der Zeit zu erkennen, sie zu deuten; der Prophet zeigt Mut, – auch öffentlich – heiße Eisen anzupacken und für die Wahrheit einzutreten.

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Darüber hinaus hat jeder Christ von Gott weitere Gaben erhalten. Paulus beschreibt sie in seinem ersten Brief an die Korinther (1 Kor 12,1-11): Jeder Einzelne in der Gemeinde ist mit bestimmten Fähigkeiten ausgestattet. Der eine hat diese, der andere jene; keiner für sich allein kann alles. Erst gemeinsam, mit den spezifischen Gaben, die jeder aus der Gemeinde einbringt, bilden die Christen als Gesamtheit den Leib Christi, sind sie der in der Welt wirkende und fortlebende Christus.

Das mag sich alles sehr abstrakt anhören – aber konkret und anschaulich wurde es, als Pfr. Bünnagel eine lebensgroße menschliche Figur vor den Altar stellt, die aus großen Puzzle-Platten zusammengesetzt ist. Das also ist der Leib Christi, die Kirche, erläutert er. Aber da gibt es ja weiße Flecken! Ein Teil des Gehirns scheint zu fehlen! Rührt diese leere Stelle daher, dass es den Frauen in der Kirche verwehrt ist, Leitungsfunktionen wahrzunehmen? Da fehlt ein Stück vom Herzen! Vielleicht ist das die Lücke, die die Menschen hinterlassen haben, deren Liebe von der Kirche als nicht erlaubt angesehen wird und gegangen sind? Ein Knie und ein Fuß fehlen: eigentlich kann dieser Leib, so wie er jetzt dasteht, gar nicht mehr laufen: Bildeten diejenigen, die der Kirche den Rücken gekehrt haben, vielleicht ausgetreten sind, den Fuß – etwa weil die Kirchenleitung nicht akzeptieren wollte, dass eine Ehe scheitern kann und nicht jeder danach ein Leben lang ohne Partner leben kann? Das fehlende Auge! Fehlt der Blick, den die Jugendlichen für die Gesellschaft haben und als Teil des Leibes Christi wahrnehmen könnten – wenn ihre Art, ihr Miteinander zu gestalten, nicht oft als unerlaubt angesehen würde?

Es ist nicht das einzige Thema des Abends, bei dem es in der Kirche mucksmäuschenstill ist und viele, wie sie im Nachgespräch sagten, am liebsten Beifall geklatscht hätten. Ähnlich dicht wird die Atmosphäre im letzten Teil des Abends, wenn Pfr. Bünnagel über die Ämter in der Kirche spricht, also vom Bischof, vom Priester und vom Diakon. Diese üben im Gegenüber zur Gemeinde ihr Amt aus, und jeder weiß, dass die Kirche heute erhebliche Probleme hat, genügend geeignete Bewerber für diese Aufgabe zu finden. Ob das nicht anders wäre, wenn nicht jeder junge Mann, der Priester werden möchte, sich zugleich verpflichten muss, ehelos zu leben? Oder wenn auch junge Frauen bei ihren beruflichen Überlegungen in Betracht ziehen könnten, sich auf den Priesterberuf vorzubereiten und später eine Gemeinde zu leiten?

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Es war ein Abend, der viel Stoff zum Nachdenken gab. Am Ende standen ein Segensgebet und die Worte „Ihr seid gesandt!“ Nehmen wir diese Worte ernst – in unserer Rolle als Könige, Priester – und als Propheten!

„Gottvoll & Erlebnisstark“ ist das Motto einer Reihe von Abenden, die mit Wort und Musik, mit Bild und Aktion über ausgewählte Glaubensfragen informieren will. Auch wenn die Abende in der Kirche stattfinden und mit einem Gebet enden, sind sie kein Gottesdienst, sondern ein eher ein Glaubenskurs. Die Reihe begann im November 2010; sie endet am 5. Juli 2011, stets in St. Peter und Paul (Beginn 20.00 Uhr): „Was kommt danach“ ist das Thema des Abends; es geht um Himmel oder Hölle. – Einen weiteren Bericht über einen früheren Abend dieser Reihe finden Sie hier.

Manche der Gedanken, die Pfr. Bünnagel hier vortrug, hat er ein einem Artikel über die aktuelle Zöli- batsdiskussion zusammengefasst, der in Bileams Esel 2/2011 erscheinen wird. Sobald das Heft veröffent- licht ist, werden Sie hier einen entsprechenden Link finden. | Josef Pietron


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