Von Wüsten, Wassern und dem Himmel auf Erden

Dritte Nacht der Sinne in St. Peter und Paul am 25. Juni 2010

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„Von Wüsten, Wassern und dem Himmel auf Erden“ war die dritte „Nacht der Sinne“ überschrieben. Immer noch bin ich voll von der Musik, den Bildern und den Texten, mit denen ich an jenem Abend beschenkt wurde. Aber wie kann ich dem, der nicht dabei war, einen kleinen Eindruck vermitteln von dem, was mich so angerührt hat? Ich versuche es einfach einmal.

Allererst sehe ich das Kirchenschiff vor mir, das leer geräumt und mit Sand bedeckt war. Der Pfad, durch den einmal Wasser fließen sollte, war trocken. Das Tageslicht verlor seine Kraft; die Kirche wurde in rotes Abendlicht getaucht. Die Kirche selber war zur Wüste geworden – entleert, trocken. Dann erklang leise, rau, fast zaghaft der Ton einer Wüstengeige, eines einfach gebauten Instruments, das von Tuaregs gespielt wird. Die Töne verklangen, und dann berichtete Rosemarie Baron, wie im Sand der Wüste sitzend, von ihren Erlebnissen bei den Tuaregs. Rosemarie Baron ist mehrmals im Jahr in der Wüste und lebt dort mit den Beduinen. In einfacher Sprache schilderte sie, wie sie dort die Stille erlebt, die Farben sieht, wie sich der Himmel mit all den Sternen zeigt und wie Menschen miteinander leben. Und wieder erklang die Wüstengeige.

 

Joachim Lenninghausen brachte Erfahrungen des Propheten Elija ein, der in der Wüste Gottes Stimme nicht im lauten Sturm, nicht im zerstörerischen Erdbeben, nicht im Feuer, sondern nur in leisen, sanften Tönen hörte; im Alten Testament ist die Erfahrung beschrieben (1 Kö 19).

Leise, sanfte Töne waren es auch, die man danach aus den hinteren Teil der Kirche hörte: Sabine Könner spielte Geige, und langsam bewegte sie sich von der Turmhalle her zum Altarraum. Weitere Wüstenerfahrungen brachten Christel Lueb-Pietron und Susanne Cano mit Texten von Rose Ausländer und Antoine de Saint-Exupéry ein. Wieder Geige. Dann Pause.

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Wer nach der Pause die Kirche wieder betrat, konnte sehr schnell hören, dass sich etwas verändert hatte: Wasser plätscherte durch die Kirche. Ein Brunnen sprudelte, und durch das bislang trockene Kiesbett floss ein kleiner Strom lebendigen Wassers – vom vorderen Teil der Kirche bis in die Turmhalle, bis zum Taufbrunnen. Auch die Farbe hatte sich geändert: Die Kirche war nicht mehr in wüsten-abendliches rotes Licht getaucht, sondern Blautöne herrschten vor – am Brunnen, aber auch an den Pfeilern und am Mauerwerk der Kirche. Das Wasser war zum beherrschenden Moment geworden - freilich nicht nur als gutesr, heilender Trank, der den Durst eines langen Wüstentages stillt;  Wasser wurde durchaus auch als das bedrohliche, gefährliche, ja tödliche Element beschreiben: Christel Lueb-Pietron und Susanne Cano lasen Texte aus der „Zeit der Heuschrecken“, einem Buch über die lebensgefährliche Flucht – und Rettung! – vietnamesischer Boatpeople. Ansgar Wallenhorst leitete die Texte am Flügel ein und aus – allein schon, dies Instrument an diesem ungewohnten Ort zu hören, war ein besonderes Erlebnis. Weitere Texte folgten; Hans Müskens leitete mit einer Betrachtung des Taufsteins zur Taufe und einer theologischen Betrachtung des Wassers über. Klavier im Dialog mit der Orgel, großartig von Christian Siegert gespielt.

Dabei – „Wasser“ war ja das Thema dieses Teils! – waren die Kirchenwände voller Bewegung: Der Videokünstler Michael Carstens hatte nicht nur für die charakteristischen Lichtstimmungen gesorgt; er ließ jetzt Wasser, Wolken, Wind in einer ungeheuren Farbenpracht über die Wände der Seitenschiffe und des Chorraums gleiten. Pause.

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Einen Schimmer vom Himmel auf die Erde holen wollte dann der dritte Teil des Abends. Eine Unzahl von Kerzen leuchtete im Kirchenraum, die Gewölbe waren mit Sternen übersät, und es setzte der Gesang der Frauenschola Cantica ein. "Schön bist du, meine Freundin, ja du bist schön. Hinter dem Schleier deine Augen wie Tauben... Rote Bänder sind deine Lippen, lieblich ist dein Mund", hörte man danach: Texte aus dem Hohenlied der Liebe, vorgetragen von Christian Siegert und Susanne Cano. Höhepunkte aber waren zweifellos die Tänze von Denise und Thomas Pollheim und Klaus Gutjahr am Bandoneon: Beides ist kaum zu beschreiben: Die Blicke und die Bewegungen der beiden Tänzer ließen vergessen, dass man sich in einer Kirche befand – es war eine andere Welt, die sich dort zeigte: eine Welt der Liebe, der Leichtigkeit, der Harmonie. Ähnlich ging es mit der Musik, die Klaus Gutjahr spielte: Ob er Barockmusik oder argentinische Tangos spielte – Weltliches und Sakrales, Irdisches und Himmlisches wurden eins, verschmolzen in dem „Himmel auf Erden“, von dem man am 25. Juni in St. Peter und Paul ein kleines Stück sehen und erleben konnte. Längst hatten die Kirchenbesucher ihre Scheu verloren, gingen umher und setzten sich dorthin, wo sie Platz fanden, natürlich in die Bänke am Rand, aber auch auf die Altarstufen, auf die Sitze im Chorraum – Himmel und Erde waren nicht mehr getrennt, sondern eins geworden. Gegen Mitternacht endete ein Abend, dessen Atmosphäre bei vielen auf lange Zeit in Erinnerung bleiben wird.

Einer großen Zahl von Frauen und Männern ist das Gelingen dieses Abends zu verdanken; sie können hier nicht alle namentlich aufgezählt werden. Genannt werden aber soll Kerstin Artz-Müskens; ohne ihre Ideen und ohne ihre Tatkraft hätte Ratingen eine solche Nacht nicht erleben können. | Josef Pietron

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