Suchen nach dem, was trägt - die "Literaturwerkstatt"

altNeinein eucharistischer Kongress war es nicht, zu dem der Förderverein „Musica sacra“ und das Fliedner-Gymnasium eingeladen hatten. Zum einen waren nicht (wie dort erwartet) zweitausend Jugendliche gekommen; zum andern fehlte auch die Bereitschaft, die eigenen Fragen zu überspringen und die Abende in Dank und und Anbetung gipfeln zu lassen.

Es war – wenn es erlaubt ist, das Wort abzuwandeln – ein „literarischer Kongress“: eine Zusammenkunft von jungen Menschen, die ihre Erfahrungen, ihren Empfindungen, ihr Suchen nach Wahrheit, nach dem, was gilt, in Worte gefasst hatten und anderen vortrugen. Mädchen und Jungen der Stufe 11 waren es, die einen Literaturkurs in ihrer Schule belegt hatten; einige wohnen in Ratingen, andere in Düsseldorf oder auch in Duisburg. Ihre Lehrer, Dr. Christiane Winter und Dr. Hans-Peter Schulz, hatten ihnen Mut gemacht, zu schreiben und ihre Texte in diesem Rahmen vorzutragen. Zwölf hatten sich darauf eingelassen, etwa 20 waren am Donnerstag, dem 23. Mai, nach St. Peter und Paul gekommen, ihnen zuzuhören, etwa 40 am Dienstag, dem 28. Mai, nach St. Suitbertus.

  altWie vielfältig die Erfahrungen der jungen Menschen sind, spiegelte sich in den verschiedenen Texten wieder; es klangen Fragen an, die ältere Menschen vielleicht nie einem siebzehnjährigen Mädchen oder Jungen zutrauen würden. Natürlich ging es dabei auch um Liebe, aber selten um unbeschwerte, rundum glückende Liebe. Eine Erzählung handelte von Liebe und Treue, durchkreuzt von dem Wunsch, den anderen zu töten. Um Schwangerschaft ging es, um das Leben bei einer psychisch kranken Mutter. Oder: Es klingelt an der Tür eines Mannes: wer dort steht, ist seine verstorbene Frau: Er ist glücklich, sie wiedergefunden zu haben, mit ihr leben zu können – doch, nachdem er ein Foto von sich beiden hat machen lassen, ist nur er allein auf dem Bild.

altEindrücke aus der Arbeitswelt kommen zur Sprache: Was ist das für ein Beruf, in dem man nur Wohlhabenden, aber nie Armen einen Kredit geben darf? Ein anderer beschreibt die Vision, dass nach einem Krieg mit chemischen Waffen er als einziger überlebt. „Manche mögen das als Freiheit interpretieren – aber es gibt ohne Regeln auch kein Glück…“. Um Lebensfreude geht es, die in den Augen eines alten Mannes wieder aufwacht, wenn sich ein jüngerer seiner annimmt, mit ihm alte Fotos betrachtet und ihn schließlich noch zu einer Ballonfahrt einlädt. Erwachsen zu werden – so wird es in einer der Geschichten ausdrücklich gesagt –, ist nicht leicht, vor allem, wenn andere einen daran hindern, man selbst sein zu dürfen.

altaltAllesamt Geschichten, die nicht „fertig“ waren, sondern bedacht werden wollten, oft sehr betroffen machten. So war es ganz wichtig, dass auf jeden Text ein Musikstück folgte, bei dem die Eindrücke nachschwingen durften. Ansgar Wallenhorst und Patrick Johansson waren es, die den literarischen Faden aufnahmen und musikalisch weiterführten, in St. Peter und Paul an der Orgel, in St. Suitbertus auch am Flügel. Es tat gut, das Gehörte noch einmal zu überdenken und zu „überfühlen“.

Doch auch der Raum der Kirche gab den Geschichten noch einmal einen besonderen Rahmen. Wer Texte in der Kirche vorträgt, tut das – bewusst oder unbewusst – nicht nur, weil dort eine Orgel steht; ein Flügel täte und tat es in St. Suitbertus ja auch. Wer Texte in die Kirche trägt, möchte, dass sie gehört werden von Menschen, die die Kirche besuchen – von uns also, von denen, die vielleicht einen Schritt (aber kaum viele Schritte) weiter sind im Fragen und im Suchen.

altUnd – ist es zu viel hinein gelegt? – wer seine Gedanken, seine Sehnsucht, seine Angst, seine Hoffnung in der Kirche in Worte fasst,  möchte vielleicht auch, dass die Texte gehört werden von dem, der auch sonst die Worte hören soll, die in der Kirche gesprochen, gesungen, ja: gebetet werden. Ich jedenfalls möchte die Texte als eine vorsichtige, ein tastende Art von Gebet verstehen – ähnlich wie Paulus im Brief an die Römer das Gebet in Zeiten des Suchens und des Umbruchs beschreibt:

Die ganze Schöpfung, so heißt es bei Paulus, seufzt bis zum heutigen Tag und liegt in Geburtswehen. Wir hoffen auf Erlösung, aber sehen sie noch nicht; in Geduld harren wir aus, und „wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können.“ Und Gott, der die Herzen erforscht, weiß, was die Absicht des Geistes ist: Er tritt so, wie Gott es will, für seine Erwählten ein (vgl. R 8,22-26).

Es ist schade, dass nur wenige gekommen waren, die Texte der jungen Menschen aufzunehmen und zu bedenken. Vom Eindruck her waren nicht einmal alle Eltern der Jugendlichen erschienen, um zu hören, was ihr Sohn, ihre Tochter zu sagen hatte. Hatten die jungen Menschen es ihnen untersagt zu kommen? Oder war es ihnen nicht wichtig genug? | Josef Pietron

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