Reise nach Bolivien im September 2014

Reisebericht Bolivien September 2014
Eine Gruppe von vier Gemeindemitgliedern und Pater Adam besuchten vom 28. August bis 13. September unsere Patengemeinde in Montero/Bolivien, der wir seit über 30 Jahren verbunden sind und sie unterstützen.
Als Gäste der dort tätigen Franziskaner konnten wir alte Freundschaften auffrischen und neue knüpfen. Wir besuchten die verschiedenen Einrichtungen und Projekte und wurden herzlich empfangen. In einem Gottesdienst in der Pfarrkirche Nuestra Senora de las Mercedes begrüßten uns Pater Carlos und Pater Juan und wir tauschten Kerzen aus. So brennt jetzt in Montero und Ratingen jeweils das Licht der Patengemeinde.
 

Fotostrecke: Begrüßung
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Ein Treffen mit Mitgliedern des PGR und Studenten, die durch Patengelder unterstützt werden, fand in einer herzlichen Atmosphäre statt. Bei traditionellen Speisen und Tanzmusik wurde es ein fröhliches Fest.

Die Studenten der ersten Patenaktion stehen kurz vor ihren Abschlussprüfungen. Zwei Medizinstudenten, zwei Jurastudenten und ein Informatikstudent berichteten von ihrer Ausbildung und ihren Zukunftsplänen.

Fotostrecke: Studenten
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Die St. Maximilian Kolbe-Schule wird schon seit vielen Jahren von den Franziskaner Minoriten unterstützt. Das College besuchen 1200 Schülerinnen und Schüler in drei Schichten. Sie besuchen die Schule im Alter von 10 Jahren bis zum Abschluss. In der Stuhl-Aktion konnten Klassen mit neuen Möbeln ausgestattet werden. Es mangelt allerdings an neuen Computern für die EDV-Klassen. In dem ausgestatteten Klassenraum arbeiten 6 Schüler gleichzeitig an einem PC. Die alten, betagten Computer wären bei uns schon längst ausgemustert. Wir erlebten, dass die Lautsprecheranlage der Schule streikte und ausfiel. So sorgten wir durch mitgebrachte Spendengelder für eine Neuanschaffung.

 

Fotostrecke: Schule
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Bei einem Besuch im Kindergarten San Antonio führte uns die leitende Schwester des Ordens vom Hl. Herzen Jesu durch die Räume. In den letzten Jahren konnte der Kindergarten und die angeschlossene Schule immer besser ausgestattet werden.
Das neu anstehende Projekt ist eine Sporthalle, die auch für Veranstaltungen genutzt werden kann. Auch hier konnten und können wir mit Spenden helfen.

 

Fotostrecke: Kindergarten
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In der Berufsbildungsschule besichtigten wir die Klassen, in denen die Jugendlichen eine Ausbildung mit Abschlusszertifikat erhalten als Friseure, Nageldesign, Sekretär/in, Köche/Hauswirtschaft und EDV-Fachleute. Mit dieser Grundlage können die jungen Leute sich eine Existenz aufbauen.
In der Stadt über den Markthallen werden diese Dienstleistungen an Ständen angeboten. Oft wird das z.B. Nagelstudio sogar auf der Straße mit transportablen Kästen und zwei Klappstühlen eröffnet.

 

Fotostrecke: Berufsklassen und Straßenarbeit
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In den Städten Boliviens gibt es regen Handel, ob auf dem Markt oder in Geschäften. Zu kaufen sind alle Waren, nur kann die ärmere Bevölkerung nicht alles bezahlen. Besonders die Indios versuchen mit Karren und kleinen Ständen (Obst, Gemüse oder Säfte) das Nötigiste zum Überleben zu verdienen.

Am Stadtrand von Montero wohnen die Ärmsten der Armen. Die Regierung siedelt in Montero Indios aus dem Hochland an, die dann mit Klima und Lebensumständen nicht zurechtkommen.

Fotostrecke: Marktstände
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Fotostrecke: Stadtrand von Montero
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Auch hier ist der Seelsorgebereich unserer Patengemeinde. Die Gemeinde hilft mit ihrem Caritasfonds so gut es geht.

Es sind oft Einzelschicksale, bei denen die Patres auch mit unseren Spendengeldern tätig werden können.

Ein 16-Jähriger erkrankte im Alter von 10 Jahren an Polio (Kinderlähmung), seine Mutter war überfordert und überließ den Jungen den Großeltern. Mit Hilfe der Franziskaner konnte Krankengymnastik organisiert werden und inzwischen läuft er schon sehr gut. Er geht zur Schule und ist froh, eine gute Bildung zu bekommen. Seine rechte Hand ist noch sehr beeinträchtigt, dort müsste weiter geübt werden, wahrscheinlich ist Besserung möglich.

Der Großvater des Jungen ist ein Zuckerrohrarbeiter mit schwerer körperlicher Arbeit, 12-14 Stunden pflanzen, hacken, Zuckerrohr schneiden, jeden Tag. Er hat seinem Enkel das Mofa umgebaut, sodass der Junge damit zur Schule fahren kann. Er selber geht nun Kilometer weit zu Fuß zu den Feldern, die erntebedingt nicht immer vor der Haustür liegen. Er wünschte sich ein Fahrrad - wir konnten helfen.

Einer Landarbeiterfamilie brannte vor vier Jahren brannte alles ab. Sie hatten keinen Hausrat, keine Wäsche, keine Hütte, kein Dach über dem Kopf mehr. Inzwischen ist ein festes Haus gebaut, hier wohnt nun die Tochter mit ihren Kindern. Die Großeltern haben sich wieder eine "Leichtbauhütte" gebaut und eingerichtet. Die größte Not ist abgewendet mit Spendengeldern.

 

Fotostrecke: Einzelschicksale
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Soziale und Caritative Arbeit, Hausaufgabenbetreuung und medizinische Sprechstunde, Hygieneunterricht für Erwachsene und Kinder, das sind die wichtigen Aufgaben der Einrichtungen, die u.a. auch von Ordensschwestern betreut werden.
Katechese und Seelsorge: Gefängnisseelsorge, Sakramenten-Katechese und Spendung der Sakramente sowie die Feier der Gottesdienste in 7 Gemeinden sind für Pater Carlos, Pater Juan, Pater Henry und Bruder Angel eine Vollzeitaufgabe.

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Kirchenumbau: Seit 2010 ist eine Vergrößerung der Pfarrkirche Nuestra Senora de las Mercedes vom Bistum genehmigt und seit 2013 entsteht über der alten, kleineren Kirche ein größerer Neubau. Nach dessen Fertigstellung wurde die alte Kirche darunter abgerissen. Das Baumaterial wurde teilweise wieder verwendet. Während der ganzen Umbauphase finden die Gottesdienste weiter statt.

Der Neubau ist geprägt von einer Architektur, die die Symbolik der Dreifaltigkeit und der Barmherzigkeit darstellen soll. Im Altarraum sind Säulenteile der allerersten Kirche neu verbaut. Auf ihnen stehen die wichtigen Heiligenfiguren San Ramon, Rosa von Lima, St. Franziskus und St. Klara, in der Mitte die Figur der "Senora de las Mercedes"–Maria - Mutter der Barmherzigkeit.

Altar und Taufstein wurden neu gestaltet, das alte Taufbecken neu eingebaut. Die Taufkapelle und die Sakramentskapelle sind an der Rückwand von Fliesenbildern geschmückt, die in der Montero-Region hergestellt wurden.

Der Neubau ist jetzt ein repräsentatives Gebäude direkt am zentralen Platz in Montero.

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Fotostrecke: Umbau der Kirche
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Bei unserem Besuchsprogramm konnten wir die Vielfalt und die Extreme von Bolivien kennenlernen. So reisten wir vom tropischen Tiefland ins Hochland nach Cochabamba.

Cochabamba ist die viertgrößte Stadt Boliviens auf 2500m über NN mit allen Einkommensklassen, Großstadtverkehr, Sportstätten, Universität und Kathedrale. Es überwiegen die indigenen Bevölkerungsgruppen. Wir wohnten am Stadtrand im Franziskanerkloster im Wohnheim der Postulanten. Neun Postulanten aus ganz Südamerika studieren dort Theologie und sind die Hoffnung des einheimischen Nachwuchses der Franziskaner.

Sucre, 2800m hoch und Potosi, 4000m hoch waren unsere weiteren Ziele im Hochland.

Sucre ist die Haupstadt und der Sitz des Gerichtshofs Boliviens. Die Franziskanerkirche liegt im Zentrum dieser geschichtsträchtigen Stadt. Im Kloster wirken P. Marko und P. Calixto. Ihre Arbeit umfasst die Seelsorge der Innenstadt.

Angeschlossen ist die Casa San Antonio. Hier bekommen ca. 80 Kinder jeden Mittag eine einfache Mahlzeit. In der Schulpause werden sie von Studenten und Volontären versorgt. Die Küche ist aufs Einfachste eingerichtet. Die Lebensmittel für die Versorgung werden durch Spenden finanziert. Auch sammeln die Mitarbeiter Kleiderspenden, die sie dann verkaufen oder an die Ärmsten weitergeben können.

Eine Gesundheitsstation wird zweimal in der Woche von einer Ärztin ehrenamtlich versorgt. Oft reicht es nicht für Medikamente, sondern nur für eine Beratung und Hygieneerziehung. Medikamente können nur ausgegeben werden, wenn sie vorhanden sind.

In der Hausaufgabenbetreuung nach der Schule können die Kinder ihre Schulaufgaben machen und sich beschäftigen. Sie werden von den jungen Mitarbeitern betreut. Die Eltern der Kinder können oft selbst nicht richtig lesen und schreiben. Für Schulmaterial reicht das Geld nicht.

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Fotostrecke: Casa San Antonio
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Die Casa San Antonio liegt uns nach unserem Besuch besonders am Herzen. Es ist ein Projekt, welches unserer Meinung nach förderungswürdig ist. Wir stellten mit der Koordinatorin Patricia Pläne für den Antrag beim Kinderhilfswerk Missio in Aachen für die Sternsingeraktion zusammen. Die Anträge haben wir direkt nach Deutschland mitgenommen. Sie sind in der Bearbeitung. Gerne würden wir das Casa San Antonio zu unserem Projekt der Sternsingeraktion machen, um die Arbeit in Sucre zu fördern.

Potosi, durch Silberfunde und Bergbau schon unter den Spaniern ausgebeutet, ist eine Bergbaustadt, in der auch heute noch seltene Erden wie Molybdän, Wolfram, Zink und Zinn unter fast mittelalterlichen Zuständen von den Arbeitern abgebaut werden. Die Mineros arbeiten mit nur Hammer und Meißel und können so gerade ihre Familien ernähren. Oft gehen Väter mit ihren Söhnen, die manchmal noch keine 16 Jahre alt sind, gemeinsam in die Mine. Wer dem Bergbau entkommen will, braucht Schulbildung und eine Zukunft in gesunder Umgebung.

Nach Ausflügen in die Geschichte und die verschiedenen Regionen Boliviens können wir jetzt mehr von der Mentalität und auch den Glauben der Menschen verstehen.

Die Feste und Feiern zur Ehre der Gottesmutter sind mehrtägige Fiestas mit Tanzumzügen in traditionellen Kostümen. Die Gottesmutter wird in den verschiedenen Regionen als ausgeschmückte Figur durch die Straßen getragen. So erlebten wir die Nachfeiern der Virgin Maria de Urcupina und die Fiesta Maria de Guadelupe mit.

Text und Fotos: Reisegruppe Bolivien

Hinweis

Für Veröffentlichungen in den Pfarrnachrichten, auf dieser Internetseite und in der Presse ist der Sachausschuss für Öffentlichkeitsarbeit zuständig - erreichbar unter:
oeffentlichkeitsarbeit@st-peterundpaul.de