Kirche und Jugend im Gespräch

Ein lebendiger Abend am 11. Juni 2026
mit Pastor Thomas Gerhold und Pastor Daniel Schilling im Glaspavillon

Der Glaspavillon auf dem Kirchplatz von St. Peter und Paul war an diesem Donnerstagabend gut gefüllt. Schon vor Beginn wurde deutlich: Das Thema bewegt. Immer wieder kamen noch weitere Besucherinnen und Besucher hinzu, zusätzliche Stühle wurden hereingetragen, man rückte zusammen, und während draußen der Regen einsetzte, entstand drinnen eine dichte, aufmerksame und zugleich sehr persönliche Atmosphäre.

Unter der Überschrift „Kirche & Jugend“ hatten Pastor Thomas Gerhold von der Evangelischen Kirchengemeinde Ratingen und Pastor Daniel Schilling von der katholischen Pfarrei St. Peter und Paul zu einem Dialogabend eingeladen. Im Mittelpunkt stand die Frage, die bereits auf dem Einladungsplakat groß zu lesen war:

„Was fängt die Jugend mit der Kirche an – und was fängt die Kirche mit der Jugend an?“

Es war ein Abend, der nicht als Vortrag angelegt war, sondern als Gespräch. Keine fertigen Antworten, keine einfachen Rezepte, keine kirchliche Selbstvergewisserung. Stattdessen: persönliche Erfahrungen, ehrliche Fragen, Erinnerungen, Zweifel, Humor, geistliche Tiefe und immer wieder die Suche danach, was junge Menschen heute in der Kirche finden können – und was die Kirche von ihnen lernen muss.

Ein Pavillon als Zeichen: Kirche geht raus

Zu Beginn begrüßte Pastor Daniel Schilling die Gäste herzlich im Glaspavillon auf dem Kirchplatz. Schon der Ort selbst war Teil der Botschaft des Abends. Der Pavillon ist im Rahmen des Ratinger Stadtjubiläums entstanden. 750 Jahre Stadt Ratingen sind Anlass, als Kirche nicht nur zurückzublicken, sondern auch sichtbar zu werden und neu zu fragen: Wo und wie begegnen wir den Menschen heute?

Schilling erinnerte daran, dass die Kirche in Ratingen zwar eine wunderschöne Pfarrkirche habe, dass die dicken Kirchenmauern aber für manche Menschen auch eine Schwelle darstellen. Nicht jeder gehe einfach in eine Kirche hinein. Deshalb sei die Idee entstanden: Wenn Menschen nicht selbstverständlich in die Kirche kommen, dann geht die Kirche nach draußen.

Der Glaspavillon sei genau dafür ein Zeichen. In seinen Fenstern steht „Grüß Gott“. Das ist mehr als eine freundliche Begrüßung. Es ist ein Programm: offen, einladend, niedrigschwellig. Kirche will sichtbar sein, ansprechbar sein, mitten auf dem Platz, mitten in der Stadt, mitten im Leben.

Dass ausgerechnet hier über Jugend und Kirche gesprochen wurde, passte deshalb besonders gut. Denn auch in der Jugendpastoral geht es nicht zuerst darum, Menschen in fertige Formen hineinzupressen. Es geht darum, Räume zu öffnen, in denen junge Menschen sich zeigen dürfen, fragen dürfen, suchen dürfen und vielleicht entdecken, dass Glaube etwas mit ihrem eigenen Leben zu tun hat.

„Wir haben das so noch nie gemacht“

Pastor Thomas Gerhold nahm diesen offenen Charakter des Abends gleich zu Beginn auf. Er sagte sinngemäß: So genau wisse man selbst noch nicht, wie dieser Abend verlaufen werde. Man habe einige Ideen vorbereitet, wolle aber vor allem miteinander ins Gespräch kommen.

Diese Offenheit tat dem Abend gut. Sie nahm dem Thema die Schwere und schuf Raum für Begegnung. Kirche und Jugend – das kann schnell nach Konzepten, Statistiken und Problemanzeigen klingen. An diesem Abend aber ging es zuerst um Menschen.

Bereits die musikalische Einstimmung hatte dazu beigetragen. Ein junger Musiker, Linus, hatte den Abend mitgestaltet. Pastor Gerhold griff das spontan auf und fragte ihn direkt: Wie bist du eigentlich bei der Kirche geblieben?

Die Antwort war klar und zugleich sehr berührend. Linus erzählte, dass ihn vor allem die Gemeinschaft gehalten habe. Er sei, wie viele Jugendliche, über die Konfirmandenzeit mit Kirche in Berührung gekommen. Entscheidend sei für ihn aber nicht zuerst die Lehre gewesen, sondern das Gefühl, angenommen zu sein. Die Menschen in der Kirche, die Freundschaften, das Miteinander – all das habe ihn geprägt.

Er sagte, dass er in der Kirche viele seiner Freunde gefunden habe, sogar beste Freunde. Diese Gemeinschaft habe ihm sonst niemand schenken können. Die Kirche habe einen großen Beitrag dazu geleistet, dass er heute der Mensch sei, der er ist.

Damit war gleich zu Beginn ein entscheidender Gedanke gesetzt: Junge Menschen bleiben nicht zuerst wegen Institutionen, Gebäuden oder Programmen. Sie bleiben, wenn sie Menschen begegnen, die sie ernst nehmen. Sie bleiben, wenn Gemeinschaft echt ist. Sie bleiben, wenn sie spüren: Hier bin ich nicht nur Teilnehmer, hier gehöre ich dazu.

Erinnerungen an eine andere Zeit

Auch aus dem Publikum kamen früh persönliche Rückmeldungen. Ein Besucher erinnerte sich an seine eigene Jugendzeit. Damals sei das kirchliche Leben in Ratingen noch stark konfessionell geprägt gewesen. Seine Eltern hätten sogar Hemmungen gehabt, eine evangelische Kirche zu betreten. Heute könne man sich das kaum noch vorstellen.

Diese Erinnerung machte deutlich, wie sehr sich Kirche und Gesellschaft verändert haben. Was früher getrennt war, ist heute vielerorts selbstverständlich miteinander verbunden. Dass ein evangelischer und ein katholischer Pastor gemeinsam im Glaspavillon sitzen und über Jugend, Glauben und Zukunft sprechen, ist Ausdruck einer gewachsenen ökumenischen Selbstverständlichkeit.

Gleichzeitig brachte der Besucher einen wichtigen Gedanken ein: Persönlichkeiten aus der eigenen Jugend können einen Menschen lange tragen. Erfahrungen aus der Jugendzeit prägen den Glauben, auch wenn später Zweifel dazukommen und sich das Verhältnis zur Kirche verändert. Gerade deshalb ist die Frage so wichtig, welche Erfahrungen junge Menschen heute mit Kirche machen.

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“

Das Einladungsplakat stellte den Abend unter ein Wort Jesu aus dem Matthäusevangelium:

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, kommt ihr nicht ins Himmelreich.“

Pastor Daniel Schilling griff diesen Satz auf und machte zugleich deutlich: Jugendliche sind keine Kinder mehr. Sie stehen an einer Schwelle. Sie sind nicht mehr klein, aber auch noch nicht fertig. Sie suchen ihren Weg, ihre Sprache, ihre Identität, ihre Überzeugungen. Gerade in dieser Zwischenzeit stellen sie Fragen, die Erwachsene manchmal verlernt haben.

Vielleicht, so wurde im Verlauf des Abends deutlich, liegt genau darin eine Stärke der Jugend. Junge Menschen fragen oft unmittelbarer: Ist das echt? Meint ihr das wirklich so? Warum soll ich glauben? Warum soll ich dazugehören? Was bringt mir Kirche? Und wo ist Gott in meinem Leben?

Solche Fragen können unbequem sein. Aber sie sind kostbar. Denn sie zwingen die Kirche dazu, sich nicht hinter Gewohnheiten zu verstecken. Sie erinnern daran, dass Glaube nicht einfach vererbt werden kann. Er muss je neu entdeckt, geprüft und gelebt werden.

Der Weg von Thomas Gerhold: Glaube mit Leichtigkeit, Musik und Verantwortung

Ein zentraler Teil des Abends waren die persönlichen Glaubenswege der beiden Pastoren. Pastor Daniel Schilling fragte Pastor Thomas Gerhold, wie bei ihm eigentlich alles angefangen habe: Wann sei die Idee entstanden, sich intensiver mit dem Glauben zu beschäftigen und schließlich diesen beruflichen Weg einzuschlagen?

Gerhold erzählte von seiner Familie. Kirche habe bei ihm zuhause eine Rolle gespielt, aber nicht schwer oder drückend, sondern eher humorvoll, leicht und stark mit Musik verbunden. Er sei mit Geschwistern aufgewachsen, die Eltern seien kirchlich engagiert gewesen, doch der entscheidende Schritt sei später gekommen.

Lange habe er keine große Lust gehabt, in eine Jugendgruppe zu gehen. Sport, Handball, Fußball draußen – das habe ihm eigentlich gereicht. Irgendwann sei er dann doch hingegangen. Und schon beim ersten Mal sei für ihn klar gewesen: Da gehe ich wieder hin.

Was ihn fasziniert habe, sei die Selbstbestimmung gewesen. Jugendliche konnten dort etwas gestalten. Sie durften Verantwortung übernehmen. Sie wurden nicht nur beschäftigt, sondern ernst genommen. Besonders beeindruckt habe ihn, dass ältere Jugendliche, Studierende und junge Erwachsene die Jüngeren wirklich wahrgenommen und ihnen etwas zugetraut hätten.

Gerhold sprach davon, wie wichtig es sei, jungen Menschen Schlüssel zu geben – im wörtlichen und im übertragenen Sinn. Wer einen Schlüssel bekommt, dem wird vertraut. Wer Verantwortung übernehmen darf, merkt: Ich bin nicht nur Gast. Ich bin Teil dieser Gemeinschaft. Ich kann etwas gestalten.

Auch biblisch habe ihn damals besonders die Begegnung Jesu mit seinen Jüngern beschäftigt. Diese Menschen seien vorher nicht unbedingt unglücklich gewesen. Sie hatten ihr Leben, ihren Beruf, ihre Netze, ihren Alltag. Und doch habe die Begegnung mit Jesus ihnen eine neue Energie gegeben. Sie hätten entdeckt, was wirklich in ihnen steckt.

Genau das sei bis heute sein Wunsch: dass junge Menschen entdecken, was in ihnen angelegt ist, was sie ausmacht, was Gott ihnen zutraut.

Der Weg von Daniel Schilling: Über die Orgel zur Kirche

Der Glaubensweg von Pastor Daniel Schilling verlief ganz anders. Er erzählte offen, dass der Glaube in seiner Familie keine große Rolle gespielt habe. Zwar sei er getauft worden, habe Erstkommunion gefeiert und sei eine Zeit lang Messdiener gewesen, doch dann sei der Kontakt zur Kirche weitgehend abgebrochen.

Geblieben sei zunächst nicht die Institution Kirche, sondern die Faszination für die Orgel. Als Kind habe er im Kölner Dom erlebt, wie ein einzelner Mensch durch das Spiel der Orgel den riesigen Raum zum Vibrieren bringen konnte. Dieser Eindruck habe sich tief eingeprägt. Er habe gedacht: Das möchte ich auch einmal können.

So führte ihn die Musik zurück in die Kirche. Er begann Orgel zu spielen, gestaltete Gottesdienste mit und machte später eine Ausbildung zum Orgelbauer. Er wollte wissen, wie ein solches Instrument entsteht, wie es funktioniert, wie die Pfeifen gebaut und gestimmt werden.

Doch dieser Weg war nicht geradlinig. Schilling berichtete auch davon, dass er sich über Kirche geärgert habe. Er habe sich gefragt: Wenn die Kirche die beste Botschaft der Welt hat, warum wirkt sie dann manchmal so langweilig? Zeitweise habe er sogar überlegt, aus der Kirche auszutreten.

Gerade diese Offenheit machte seinen Beitrag glaubwürdig. Glaube erscheint hier nicht als fertige Linie von der Kindheit bis zum Priestertum. Er ist ein Weg mit Brüchen, Fragen, Widerständen und Entscheidungen.

Am Ende, so sagte Schilling, sei es für ihn die beste Entscheidung seines Lebens gewesen, diesen Weg zu gehen. Und mit Humor verband er seine frühere Tätigkeit als Orgelbauer mit seinem heutigen Dienst: Als Orgelbauer stimme man Pfeifen. Als Pastor habe man es ebenfalls mit vielen unterschiedlichen „Pfeifen“ zu tun – und müsse dabei nie vergessen, dass man selbst auch eine Pfeife sei.

Segen empfangen und weitergeben

Besonders tief wurde der Abend, als das Gespräch auf Segensmomente und Erfahrungen am Lebensende kam. Pastor Thomas Gerhold erzählte, dass er häufig zu Sterbenden gerufen werde. Früher sei es selbstverständlicher gewesen, am Lebensende einen Segen zu empfangen. Heute verblasse diese Praxis manchmal.

Gerhold beschrieb, wie intensiv solche Momente sein können. Er segne Sterbende, zeichne ihnen ein Kreuz auf Stirn oder Hände, bete mit den Angehörigen. Manchmal aber bitte er auch die Angehörigen, ihn selbst zu segnen. Denn auch ein Pastor brauche den Segen. Auch er sei angewiesen auf Gottes Nähe, auf Zuspruch, auf eine Berührung „von oben“.

Diese Perspektive war wichtig: Seelsorge ist keine Einbahnstraße. Der Pfarrer oder Pastor ist nicht einfach derjenige, der gibt, während alle anderen nur empfangen. Auch er bleibt ein Mensch, der selbst Glauben, Trost und Segen braucht.

Pastor Daniel Schilling erzählte daraufhin eine eigene Erfahrung aus seiner Zeit als Kreisjugendseelsorger. An einem Samstagabend sei er spät zu einer sterbenden Frau gerufen worden. Die Angehörigen sagten ihm, die Mutter sei seit zwei Tagen nicht mehr ansprechbar. Man wolle aber gerne noch beten.

Schilling betete mit der Familie und spendete der Frau die Sterbesakramente. Dann geschah etwas Unerwartetes: Die Frau richtete sich plötzlich im Bett auf, rief ihre vier Töchter nacheinander zu sich und sprach jeder von ihnen persönliche Worte zu. Sie segnete ihre Kinder, ermutigte sie und legte ihnen ans Herz, an Gott festzuhalten. Danach legte sie sich wieder hin, schloss die Augen und starb in derselben Nacht.

Diese Erzählung ließ den Raum still werden. Sie zeigte, dass Glaube nicht nur Theorie ist. Er zeigt sich in Momenten, in denen das Leben dicht wird – an Übergängen, in Krisen, im Abschied, im Segen, der weitergegeben wird.

Was junge Menschen suchen

Im Verlauf des Abends wurde immer wieder deutlich: Junge Menschen suchen nicht zuerst perfekte Programme. Sie suchen Echtheit. Sie suchen Menschen, die ihnen zuhören. Sie suchen Räume, in denen sie nicht bewertet werden, bevor sie überhaupt gesprochen haben. Sie suchen Gemeinschaft, aber keine Vereinnahmung. Sie suchen Orientierung, aber keine fertigen Antworten, die ihre eigenen Fragen nicht ernst nehmen.

Das Einladungsplakat hatte eine Sprechblase mit der Frage: „Wonach suchen junge Menschen?“

Eine Antwort dieses Abends lautete: Sie suchen nach Orten, an denen sie spüren dürfen, dass ihr Leben Bedeutung hat. Orte, an denen sie nicht nur funktionieren müssen. Orte, an denen sie Verantwortung übernehmen dürfen. Orte, an denen sie Fehler machen können. Orte, an denen sie mit ihren Fragen willkommen sind.

Kirche kann ein solcher Ort sein. Aber sie ist es nicht automatisch. Sie wird es nur, wenn Menschen bereit sind, Zeit, Vertrauen und echtes Interesse zu schenken.

Was die Kirche von der Jugend lernen kann

Eine zweite Frage des Plakates lautete: „Was kann die Kirche von der Jugend lernen?“

Die Antwort darauf zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Kirche kann von Jugendlichen lernen, ehrlich zu fragen. Jugendliche merken schnell, ob etwas echt ist oder nur Fassade. Sie haben ein feines Gespür dafür, ob Erwachsene nur über sie reden oder wirklich mit ihnen sprechen.

Sie lernen nicht durch Belehrung allein, sondern durch Beziehung. Sie wollen beteiligt werden. Sie wollen nicht nur Zielgruppe sein. Sie wollen selbst gestalten, ausprobieren, Verantwortung übernehmen.

Von der Jugend kann Kirche lernen, beweglich zu bleiben. Nicht jede Form, die früher getragen hat, trägt automatisch auch heute. Nicht jede Tradition ist deshalb wertlos – aber jede Tradition muss neu mit Leben gefüllt werden.

Jugendliche können der Kirche helfen, wieder elementarer zu fragen: Was ist wirklich wichtig? Was bedeutet Gemeinschaft? Was heißt Glauben im Alltag? Wo erleben Menschen Gott? Und was davon ist so lebendig, dass es weitergegeben werden kann?

Gemeinsam Zukunft gestalten

Die dritte Sprechblase auf dem Plakat fragte: „Wie können wir gemeinsam Zukunft gestalten?“

Der Abend gab darauf keine einfache Antwort, aber viele Hinweise.

Zukunft entsteht dort, wo Generationen miteinander ins Gespräch kommen. Wo Erwachsene von ihrer Erfahrung erzählen, ohne jungen Menschen ihre eigenen Wege zu verbauen. Wo Jugendliche ernst genommen werden, ohne sie zu überfordern. Wo Kirche nicht nur Angebote macht, sondern Beteiligung ermöglicht.

Zukunft entsteht auch ökumenisch. Der Abend selbst war dafür ein starkes Zeichen. Evangelische und katholische Perspektiven standen nicht nebeneinander, sondern kamen miteinander ins Gespräch. Beide Pastoren erzählten aus ihrer Tradition, aber der gemeinsame Horizont war größer: Wie kann der christliche Glaube heute junge Menschen erreichen? Wie können Gemeinden Orte sein, an denen Menschen wachsen?

Gerade in einer Zeit, in der kirchliche Bindungen schwächer werden, zeigte der Abend: Es gibt weiterhin junge Menschen, die sich engagieren. Es gibt weiterhin Erwachsene, die sich für die nächste Generation interessieren. Und es gibt weiterhin Räume, in denen Glaube zur Sprache kommen kann – offen, persönlich und ehrlich.

Ein Abend mit Impulsen, Beobachtungen und Erfahrungen

Auf dem Einladungsplakat war angekündigt: „Ein Abend mit Impulsen, Beobachtungen und Erfahrungen aus der Arbeit mit Konfirmand:innen und Firmlingen.“ Genau das wurde er.

Die Konfirmandenarbeit der evangelischen Gemeinde und die Firmvorbereitung der katholischen Gemeinde standen nicht als Modelle im Mittelpunkt, sondern als Erfahrungsräume. Beide Formen zeigen: Jugend und Kirche begegnen sich oft an Schwellen. Bei der Konfirmation und bei der Firmung fragen junge Menschen: Will ich dazugehören? Was glaube ich eigentlich? Was bedeutet mir Kirche? Ist das etwas für mein Leben?

Diese Fragen lassen sich nicht erzwingen. Aber man kann Räume schaffen, in denen sie wachsen dürfen. Man kann junge Menschen begleiten. Man kann ihnen zutrauen, dass sie selbst etwas zu sagen haben. Man kann sie nicht nur als Zukunft der Kirche bezeichnen, sondern ihnen schon heute Verantwortung geben.

Humor, Nähe und ernste Tiefe

Was den Abend besonders machte, war die Mischung aus Leichtigkeit und Tiefe. Es wurde gelacht, improvisiert, auf das Wetter reagiert, auf wackelnde Dekoration, auf volle Stuhlreihen und kleine technische Eigenheiten. Gerade dadurch entstand keine steife Veranstaltungsatmosphäre, sondern ein Gespräch unter Menschen.

Gleichzeitig wurden die ernsten Themen nicht ausgespart: Zweifel, Kirchendistanz, Sterben, Segen, Berufung, Verantwortung, Glaubwürdigkeit. Diese Mischung entsprach vielleicht genau dem, was Kirche jungen Menschen anbieten kann: nicht nur Unterhaltung, nicht nur Belehrung, sondern einen Raum, in dem das Leben in seiner ganzen Breite vorkommt.

Ein starkes Zeichen auf dem Kirchplatz

Am Ende blieb der Eindruck eines gelungenen Abends. Der volle Glaspavillon zeigte, dass das Thema nicht nur Jugendliche betrifft. Es betrifft Eltern, Großeltern, Ehrenamtliche, Hauptamtliche, Gemeinden und alle, die sich fragen, wie Kirche morgen aussehen wird.

Der Abend machte Mut, weil er nicht bei Klagen stehenblieb. Natürlich gibt es Herausforderungen. Natürlich ist es schwieriger geworden, junge Menschen dauerhaft an Kirche zu binden. Natürlich haben sich Lebenswelten verändert. Aber es gibt auch Erfahrungen, die tragen: Gemeinschaft, Musik, Verantwortung, persönliche Begegnung, Segen, Vertrauen.

Vielleicht lässt sich die Botschaft des Abends so zusammenfassen:

Kirche wird für junge Menschen dort bedeutsam, wo sie ihnen etwas zutraut. Und Kirche bleibt lebendig, wenn sie bereit ist, von jungen Menschen zu lernen.

Der Glaspavillon wurde an diesem Abend zu einem Ort, an dem genau das sichtbar wurde: Kirche geht raus, hört zu, erzählt, fragt, lacht, segnet und sucht gemeinsam mit den Menschen nach Zukunft.

Und vielleicht war gerade das die schönste Antwort auf die Frage des Plakates:

Die Jugend fängt mit der Kirche dann etwas an, wenn Kirche ein Ort echter Begegnung ist. Und die Kirche fängt mit der Jugend dann etwas an, wenn sie in ihr nicht nur die Zukunft sieht, sondern die Gegenwart Gottes mitten unter uns.


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