Menschlichkeit weitermachen – ein starkes ökumenisches Zeichen zum Stadtjubiläum

2609 oekumenischer gottesdienst motto

Der Regen konnte diesem Gottesdienst nichts anhaben. Im Gegenteil: Vielleicht wurde gerade dadurch besonders sichtbar, wie wichtig vielen Menschen das gemeinsame Zeichen war. Trotz strömenden Regens kamen am Sonntag, 20. September, zahlreiche Menschen auf dem Ratinger Marktplatz zusammen. Gleichzeitig wurde der Gottesdienst in unsere Pfarrkirche St. Peter und Paul übertragen – und auch dort war die Kirche proppevoll. Allein dieses Bild war schon ein starkes Zeichen.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 750-jährigen Bestehen unserer Stadt war es uns als christlichen Kirchen wichtig, eine Botschaft auszusenden, die über diesen Gottesdienst und seine Besucher hinaus weit in Ratingen hineinreicht. Der Gottesdienst stand deshalb unter dem Leitwort „Menschlichkeit weitermachen“.

Gerade in einer Zeit, in der politische Extreme stärker werden, gesellschaftliche Spannungen zunehmen und der Ton bisweilen rauer wird, wollten wir als Kirchen gemeinsam zeigen, woraus wir leben und wofür wir stehen: für Glaube, Hoffnung und Liebe, für Zusammenhalt und Mitmenschlichkeit und für die Überzeugung, dass jeder Einzelne Verantwortung dafür trägt, wie wir miteinander leben.

Ein echter Blickfang war dabei das Bühnenbild, das gemeinsam mit dem bekannten Wagenbauer Jacques Tilly entwickelt und konzipiert worden war. Drei große Gedanken schwebten gewissermaßen über dem Gottesdienst und sollten weit über diesen Sonntag hinausweisen: mehr glauben – mehr miteinander – mehr wagen.

Im Zentrum des Bühnenbildes fanden sich drei vertraute Akteure aus dem Stadtbild Ratingens: der Posaunenengel, der hoch oben auf dem Turm der evangelischen Stadtkirche zu finden ist, der Hahn, der den Kirchturm von St. Peter und Paul krönt, und der Ratinger Löwe. Alle drei pumpen kräftig – und alle drei tragen ihren Teil dazu bei, dass ein großer Ratinger Daumen nach oben zeigt.

Das Bild bringt auf ebenso humorvolle wie eindrückliche Weise auf den Punkt, worum es geht: Es reicht nicht, darauf zu warten, dass andere etwas tun. Nur wenn viele „pumpen“, wenn Menschen sich anstrengen, sich einbringen und füreinander einstehen, kann Gemeinschaft gelingen. Menschlichkeit braucht Menschen, die sie leben. Zusammenhalt braucht Menschen, die ihn möglich machen. Und der Daumen bleibt nur oben, wenn möglichst viele ihren Teil dazu beitragen.

Pastor Thomas Gerhold von der Evangelischen Friedenskirche und Pastor Daniel Schilling griffen diesen Gedanken in einer Dialogpredigt auf. Dabei wurde deutlich: „Menschlichkeit weitermachen“ ist nicht nur ein schönes Motto für einen Festgottesdienst. Es ist ein Auftrag für den Alltag – über Konfessionsgrenzen hinweg und überall dort, wo Menschen einander begegnen.

Zu einem besonderen Erlebnis wurde der Gottesdienst auch durch seine außergewöhnliche musikalische Gestaltung. Jazz-Improvisationen an der Hammond-Orgel trafen auf großartige Bläsersätze, mit denen die bekannten Gemeindelieder begleitet wurden. Kraftvoller Gemeindegesang, Orgel und Bläser schufen eine ganz eigene Atmosphäre.

Dass so viele Menschen trotz des Wetters auf dem Marktplatz ausharrten und zugleich auch in St. Peter und Paul nur wenige Plätze frei blieben, machte diesen Vormittag besonders eindrucksvoll. Alles in allem ein Gottesdienst, der nicht allzu schnell vergessen werden dürfte – und dessen Botschaft bleibt: Menschlichkeit weitermachen.



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